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Das Swiss-Classic-Journal

 

Festivals und Wettbewerbe International

Orléans

9ème Concours international de piano d'Orléans 2010

 

Zeitgenössische Klaviermusik im Wettbewerb

3. März 2010 Ausschliesslich Musik aus dem 20. und dem 21. Jahrhundert war vorgegeben für die 42 Pianisten, die

sich für den „Concours international de piano d’Orléans" angemeldet hatten. Vor neunhundert Zuhörern

im prall gefüllten Theater von Orléans gewann der 24-jährige Amerikaner Christopher Falzone das Finale.

 

Daniel Andres

Dabei hatte man im Publikum und auch bei den Presseleuten auf die Südkoreanerin Yejin Gil getippt, denn sie spielte die Ur-aufführung von „Interstices" von Philippe Hurel, ein Stück für Klavier und drei Per-kussionisten, das im Auftrag des Wett-bewerbs komponiert worden war, am überzeugendsten.

Sie wurde deshalb ausgewählt, das Werk zusammen mit den drei Musikern der „Percussions de Strasbourg" unter der Leitung des äusserst zufrieden wirkenden Komponisten in New York und Buenos Aires aufzuführen.

Den Wettbewerb gibt es seit zwanzig Jahren alle zwei Jahre, und jedes Mal wird an einen Komponisten ein Auftrag ver-geben. Das diesjährige Werk von Hurel, einem als „spectraliste" etikettierten Kom-ponisten, ist eine intime Verbindung von Klavier und Schlaginstrumenten. Dabei

 

  Christopher Franzone (USA)

 

kontrastieren feinste klangliche Legierun-gen mit kraftvollen Ausbrüchen, und am Schluss sorgt eine rhythmische und dy-namische Steigerung für eine unausweich-liche Wirkung. Dies alles gelang der Süd-koreanerin wirklich hinreissend.

Der Amerikaner Christopher Falzone wirk-

 

te am Finale etwas verkrampft und schien mit sich überhaupt nicht zufrieden, aber die Jury sprach ihm den Hauptpreis von zwölftausend Euro in Würdigung seiner Leistung während des gesamten Wettbe-werbs zu.

Es gab noch eine Reihe von Spezialprei-sen, die nicht an die drei Finalisten gingen. Denn offenbarer Sinn des Wettbewerbs ist, beim pianistischen Nachwuchs die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik zu fördern und insbesondere auch, einige Komponisten wie Roussel, Jolivet, Boulanger und weniger bekannte vor dem Vergessen zu bewahren, so dass die je-weiligen Vereinigungen der Freunde eines Komponisten die entsprechenden Preise stiften. Der Preis für die beste Interpreta-tion des Auftragswerks wird von der fran-zösischen Urheberrechtsgesellschaft SACEM gestiftet.